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Das Synchrotronlabor SESAME

Foto des fertig gestellten SESAME-Gebäudes
© R. Sarraf

An der Hochschule für angewandte Wissenschaften Al-Balqa in Jordanien wird das Synchrotronlabor SESAME (Centre for Synchrotron Light and Experimental Sciences and Applications in the Middle East) aufgebaut. Dieses erste große internationale Forschungszentrum im Nahen Osten wird maßgeblich von der UNESCO unterstützt. Die Idee der Einrichtung eines solchen Wissenschaftszentrums entstand in den späten neunziger Jahren. Vorbild war das in den 1950ern aufgebaute Teilchenphysiklabor CERN in Genf und seine erfolgreiche Arbeit, durch Wissenschaftskooperation Frieden und Stabilität zu fördern.

Der "Speicherring" BESSY I aus Berlin-Wilmersdorf sollte 1999 zugunsten eines neueren Modells ausgemustert werden. Herman Winick aus Stanford, USA, und von Gustaf-Adolf Voss vom deutschen Beschleunigerlabor DESY hatten die Idee, das Gerät in den Nahen Osten zu bringen. Die deutsche Bundesregierung entschied sich aufgrund des Engagements der beiden Physiker Sergio Fubini (Italien, 2005 verstorben) und Herwig Schopper (Deutschland), den Speicherring als Basis für den Aufbau von SESAME zur Verfügung zu stellen. 2002 wurde das Gerät nach Jordanien gebracht.

Ein Synchrotron beschleunigt elektrisch geladene Elementarteilchen oder Ionen auf sehr hohe Geschwindigkeiten. In einem Vakuum werden die Teilchen von Magneten auf eine Ringbahn gelenkt, durch die Richtungsänderungen strahlen die Teilchen eine charakteristische Strahlung ab. Diese eignet sich für Forschung in vielen naturwissenschaftlichen Disziplinen, aber auch für industrielle und medizinische Anwendungen. Synchrotronstrahlung wird heute an vielen Orten gezielt produziert, so auch an BESSY bzw. SESAME, wo Elektronen im Speicherring zirkulierten. An BESSY I waren mit „weicher Röntgenstrahlung“ seit 1981 viele erfolgreiche wissenschaftliche Experimente durchgeführt worden. Der Speicherring mit einem Durchmesser von 60 Metern ist auch das Kernstück von SESAME. Weltweit gibt es etwa 50 Synchrotron-Anlagen, SESAME wird die erste im ganzen Mittelmeerraum und im Nahen Osten sein.

Schematischer Aufbau von SESAME

Dass BESSY I nach Jordanien gebracht werden konnte, ist auch dem nachdrücklichen Engagement der UNESCO zu verdanken. Die Idee für SESAME wurde Ende der 1990er Jahre an den damaligen Generaldirektor Federico Mayor herangetragen. Dieser entschied gemeinsam mit Delegierten aus dem Nahen Osten, ein Gremium zur Begleitung von SESAME zu gründen. Dieses damals "vorläufiger Rat" genannte Gremium war das wissenschaftliche Steuerungsgremium und wurde eine dauerhafte Einrichtung. Er ist heute Hauptentscheidungsinstanz von SESAME. Die erste Sitzung fand im Januar 2003 statt. Der Rat tritt zweimal jährlich zusammen.

Derzeitige Ratsmitglieder sind Ägypten, Bahrain, Iran, Israel, Jordanien, Pakistan, Palästina, die Türkei und Zypern. Deutschland ist eines der derzeit zehn Länder mit Beobachterstatus (daneben Frankreich, Griechenland, Italien, Kuwait, Portugal, die Russische Föderation, Schweden, Großbritannien und die USA). Voraussichtlich schließen sich die Vereinigten Arabischen Emirate und Japan demnächst dem Rat an. Vorsitzender des Rates ist Christopher Llewellyn Smith, ehemaliger Generaldirektor des CERN. Sein Vorgänger war bis 2008 Herwig Schopper. Eng kooperiert SESAME mit der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA). Die EU Kommission fördert SESAME seit 2006. Auch Frankreich stellt technische Ausrüstung in größerem Umfang aus einem seiner Labore (LURE) für SESAME zur Verfügung.

Die Gebäude des SESAME-Komplexes sind inzwischen planmäßig fertig gestellt, das Labor ging 2009 mit zunächst sechs Strahlrohren probemäßig in Betrieb, bis 2013 soll deren Anzahl auf zwanzig steigen. Für SESAME sind fünf Programmlinien geplant: strukturelle Mikrobiologie, Oberflächen- und Grenzflächenwissenschaft, molekulare Umweltwissenschaft, industrielle Materialanalyse und Archäologie. Als internationales wissenschaftliches Exzellenzzentrum, das allen qualifizierten Wissenschaftlern des Nahen Ostens offen steht, wird SESAME einen entscheidenden Beitrag leisten zur wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Entwicklung in der Region sowie zur internationalen Wissenschaftskooperation.

Weitere Informationen: SESAME-Website

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